Bella ciao
Die Heimat beschäftigt so manchen in der Deutschschweiz lebenden Walliser. Einerseits steht der Heimatkanton für sonnige Stunden mit der Familie, für wunderschöne Natur und ein scheinbar idyllisches Leben. Andererseits fallen einem erst in der Ferne (wenn man denn in der kleinen Schweiz überhaupt je den Begriff Ferne verwenden kann) so einige Macken des Heimatkantons auf. Die Engstirnigkeit einiger Einwohner etwa und deren unermüdlicher Kampf gegen alles Fortschrittliche, Moderne.

Jeden Monat eine Kolumne zu schreiben, kann eine Herausforderung sein. Ab und zu fehlt einem die Inspiration. Spätestens am Abend der Deadline aber ist sie plötzlich da; eine Idee. Manchmal schleicht sie sich ganz unbemerkt in den Kopf und ohne dass man sich dessen bewusst ist, beginnt man mit dem Schreiben. An manchen Tagen hingegen tut man nichts anderes, als ein Gefühl in Worte zu fassen, das einen beschäftigt. Dies kann Freude, manchmal aber auch Ärger oder Empörung sein. Nach dem Absenden der Kolumne fühlt man sich angenehm leicht. Man konnte etwas loswerden, das einem am Herzen liegt. Natürlich weiss man, dass einige Leser mit den Inhalten nicht einverstanden sein werden. Vielleicht erhält man sogar eine empörte Nachricht. Manchmal sogar auf offener Strasse. Aber genau dies belebt die Diskussion und ist deshalb von grosser Wichtigkeit. Ich hoffe, dass ich mit meiner Kolumne den Jungen (oder zumindest den noch nicht ganz so Alten und Weisen- wobei ich die Korrelation von Alter und Weisheit vermehrt anzweifle) im Oberwallis eine Stimme geben konnte. Nun ist es aber an der Zeit, dass andere Personen darüber schreiben, was die jüngeren Generationen im Wallis beschäftigt. Deshalb ist dies meine letzte Kolumne in dieser Zeitung.
Immer wieder habe ich in meinen Kolumnen mein Verhältnis zum Wallis thematisiert. Die Heimat beschäftigt so manchen in der Deutschschweiz lebenden Walliser. Einerseits steht der Heimatkanton für sonnige Stunden mit der Familie, für wunderschöne Natur und ein scheinbar idyllisches Leben. Andererseits fallen einem erst in der Ferne (wenn man denn in der kleinen Schweiz überhaupt je den Begriff Ferne verwenden kann) so einige Macken des Heimatkantons auf. Die Engstirnigkeit einiger Einwohner etwa und deren unermüdlicher Kampf gegen alles Fortschrittliche, Moderne. Wenn die Kollegen in der Stadt mich nach einer Abstimmung erstaunt darauf ansprechen, dass das Wallis zu etwas Innovativem ja gesagt habe, dann nicke ich brav und verschweige, dass dies nur aufgrund der Unterwalliser Mehrheit der Fall war. Merci les Welsches! Auch der älteste Walliser, der Neid, erstaunt mich immer wieder. Wer versucht, etwas Neues auf die Beine zu stellen, wird oft belächelt, verspottet und schlecht gemacht. Schade eigentlich, denn genau solche Versuche würden doch dazu führen, dass unser Kanton mit der Zeit geht und spannende Projekte entstehen. Und obwohl ich in solchen Momenten froh darüber bin, an einem anderen Ort zu leben, zieht es mich spätestens in den nächsten Ferien dann doch in die Heimat. So ist das eben als Walliserin…
Eine positive Eigenschaft der Walliser ist sicherlich deren sehr herzliche und warme Art. Sehr oft bin ich mit lieben Worten von mir unbekannten Personen auf meine Kolumne angesprochen worden. Ich werde auch in Zukunft auf meinem Online-Blog eloquentia.blog weiterhin monatlich Kolumnen verfassen. Es gibt nämlich viel zu viel, das noch gesagt werden muss. Hier hingegen können Sie weiterhin die eloquenten Texte weltoffener Staatsmänner aus fernen Seitentälern lesen. Und somit beginnt diese Kolumne so, wie sie vor einiger Zeit begonnen hat: mit einer grossen Portion Ironie.
Textquelle: Walliser Bote
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