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21. August 2019

Ferien und andere Anstrengungen

Im Urlaub kann es schon frühmorgens (um 10 Uhr) zur ersten Anstrengung kommen. Im Frühstücksraum des Hotels legt man nicht selten einen Sprint hin, um das letzte Croissant zu ergattern.

Ferien und andere Anstrengungen

Die Ferienzeit ist vorbei. Höchste Zeit also, erholt und energiegeladen den Berufs-oder Schulalltag wiederaufzunehmen. Oder um sich im Alltag von den stressigen Ferien zu erholen.

Im Urlaub kann es schon frühmorgens (um 10 Uhr) zur ersten Anstrengung kommen. Im Frühstücksraum des Hotels legt man nicht selten einen Sprint hin, um das letzte Croissant zu ergattern. Verschwitzt beisst man mit einem schadenfreudigen Blick auf die leer Ausgegangenen in das Croissant und lässt sich nicht anmerken, dass dieses eindeutig von gestern stammt. Am Buffet ist Wachsamkeit angesagt, da man oft von Leuten angerempelt wird, welche vor lauter Brötchen und Speck den Frühstücksraum nicht mehr sehen.

Das Autofahren im Ausland kann einem den letzten Nerv rauben, besonders in Grossstädten. Kaum zögert man eine Sekunde lang, in welche Richtung man abbiegen muss, ertönt ein ohrenbetäubendes Hupkonzert, bei dem manch ein Blasmusiker neidisch wird. Die richtige Geschwindigkeit zu wählen, ist eine grosse Herausforderung. Wenn man sich an das Tempolimit hält, läuft man Gefahr, von all den anderen «zügig» fahrenden Lenkern überrollt zu werden. Wer zu schnell fährt, fühlt sich, dem Schweizer Gewissen sei Dank, wie ein Schwerverbrecher und hört innerlich schon die Polizeisirenen.   

Aufgrund von Kommunikationsproblemen kann man in den Ferien ganz schön ins Schwitzen geraten. Dem anfänglichen Glauben an die eigenen Fremdsprachenkenntnisse weicht bald einmal Ernüchterung. Etwa wenn man feststellt, dass das undefinierbare, glitschige Ding auf dem Teller so gar nicht wie der Veggiteller aussieht, den man zu bestellen geglaubt hat. Oder wenn man in der Apotheke mit Händen und Füssen zu erklären versucht, wo der Schuh drückt und mit einem Blasenpflaster nach Hause geht, obwohl man doch eine Salbe gegen Insektenstiche benötigt. Ein Bekannter gab im Urlaub seine Portugiesischkenntnisse zum Besten und wurde freundlich darauf hingewiesen, dass man leider kein Englisch spreche.

Es scheint, als würden Touristen in den Ferien sehr viel Energie daran verschwenden, die Klischees ihres Heimatlandes aufrechtzuerhalten. Oder wie ist es anders zu erklären, dass deutschsprachige Besucher darüber fluchen, dass es keine Wurst gibt und Gäste südlicher Regionen mit ihren lauten Diskussionen das ganze Hotel unterhalten? Während des Urlaubs in Frankreich betrat eine Schweizer Familie (unschwer an den Schweizer Nati T-Shirts zu erkennen) die Strandbar und der Vater stellte entgeistert fest «Uh nei Marianne, es het keis Tischli me». Den letzten Tisch hatte ich mir geschnappt, um mein tägliches Toblerone-Glace zu verspeisen.

In die Heimat zurückgekehrt, vermisst man zwar das Meer und die südländische Leichtigkeit, erfreut sich aber an den entspannenden Kleinigkeiten in den eigenen vier Wänden. Endlich kann man wieder in Ruhe eine Ovomaltine trinken und sich einbilden, diese Zuckerbombe gebe einem Kraft für den Tag. Gross ist die Freude darüber, dass die Züge theoretisch immer pünktlich sind (in der Praxis allerdings genau an dem Tag nicht, an dem man sich keine Verspätung erlauben darf). Manch einer freut sich nach den Ferien auf die Arbeitskollegen und den Alltag. Nur um nach dem ersten Arbeitstag bereits von den nächsten Ferien- in der Idealvorstellung ohne Stress- zu träumen.

Textquelle: Walliser Bote
Bild: Copyright: Unsplash/ Sai Kiran Anagani