Heisse Zeiten
Das Glück ist aber von kurzer Dauer, denn geizige Touristen beginnen zuerst ihre Sandalen und dann ihre Socken- bei 35 Grad ein ebenso sinnvolles wie modisches Kleidungsstück- auszuziehen und sich genau im Schatten meines Schirmes auszubreiten. Das bedeutet Krieg. Beim Schatten hört der Spass auf.

Nun ist sie da. Die erste grosse Hitzewelle. Manch braun gebräunter Mensch freut sich wahrscheinlich darüber, endlich wieder ehrgeizig in der Sonne zu brutzeln. Für eine andere seltene Spezies hingegen, im Wallis auch «Bleichetsch» genannt, bringt die Sommerhitze so manche Tücken mit sich.
Für Leute mit hellem Hautton wie mich bedeuten Hitzetage eine enorme Planung. Habe ich meine 50+ Sonnencreme für empfindliche Haut dabei, für die ich mein halbes Erspartes ausgebe? Habe ich in meinem Zeitplan das akribisch durchgeführte und dementsprechend zeitintensive Eincremen einberechnet? Finde ich eine Person, der ich die höchst verantwortungsvolle Aufgabe des Cremens meines Rückens anvertraue? Falls nicht, habe ich genug Dehnübungen gemacht, um diese Tätigkeit selbst auszuführen? Und ist der Sonnenhut im Gepäck, mit dem ich aussehe, als sei ich einem Hochglanzmagazin zum Thema Tourismus entsprungen? Habe ich die schwere Literflasche Mineralwasser in meinen Rucksack gepackt, um einen Sonnenstich während der Wanderung zu vermeiden? Nur um am nächsten Tag festzustellen, dass mich nun nicht nur ein Sonnenstich, sondern auch Rückenschmerzen plagen.
Wenn die Hitze unerträglich wird, führt immerhin das Schwimmen in einem Gewässer zur (wortwörtlich) heiss ersehnten Abkühlung. Was ist also entspannender als Ferien am Meer? Nichts toppt das gemütliche Faulenzen im Schatten des Sonnenschirmes (der allerdings so unverhältnismässig teuer ist, dass für diesen Preis im Aufenthaltsort eine ganze Familie nobel dinieren könnte). Das Glück ist aber von kurzer Dauer, denn geizige Touristen beginnen zuerst ihre Sandalen und dann ihre Socken- bei 35 Grad ein ebenso sinnvolles wie modisches Kleidungsstück- auszuziehen und sich genau im Schatten meines Schirmes auszubreiten. Das bedeutet Krieg. Beim Schatten hört der Spass auf.
Nach einer Woche Badeurlaub fühle ich mich beinahe schon wie eine Latina (schliesslich war ich ja oft im Wasser und somit der prallen Sonne ausgesetzt). Als mich ein Bekannter fragt, ob ich Arme mich denn noch in der Lernphase befände und deshalb so bleich sei, schwindet meine Euphorie. Während andere Bemerkungen über das Aussehen, etwa über das Gewicht, ein Tabuthema sind, wird man seltsamerweise oft auf seinen Hautton angesprochen. Bei der Arbeit bekomme ich ständig zu hören, dass ich öfters in die Sonne gehen sollte. Gesagt getan, werde ich nach dem Sonnenbaden und dem prüfenden Blick meiner Kollegen auf meine leicht geröteten Schultern darauf hingewiesen, dass Sonnenbrände schädlich seien. Na toll, da bin ich doch viel lieber ein gesunder und munterer «Bleichetsch».
Allen Hitzestrapazen zum Trotz bringt der Sommer viele Highlights mit sich. Gibt es etwa eine bessere Ausrede, als sich aufgrund der unerträglichen Hitze ein Eis (pro Hitzetag) zu gönnen? Oder bis in die frühen Morgenstunden zu feiern, weil dann das Thermometer endlich erträgliche Temperaturen anzeigt? Wem die Hitze zu viel wird, könnte immer noch in kältere Regionen reisen. Um dann- ganz der Schweizer eben- über den tagelangen strömenden Regen zu nörgeln.
Textquelle: Walliser Bote
Bild: Copyright: Unsplash/ Karim Manjra