eloquentia.blog

31. Juli 2020

Keine perfekte Welle

Dieser Sommer fühlt sich irgendwie anders an. Das Ganze beginnt schon mit dem Wort Welle. Den Begriff Welle assoziierten wir früher mit Sommer, Wasser und Spass. Heute denken wir in erster Linie an Krankheit, Viren und Unsicherheit.

Keine perfekte Welle

Dieser Sommer fühlt sich irgendwie anders an. Das Ganze beginnt schon mit dem Wort Welle. Den Begriff Welle assoziierten wir früher mit Sommer, Wasser und Spass. Heute denken wir in erster Linie an Krankheit, Viren und Unsicherheit.

Rein theoretisch könnten wir schon bald wieder verreisen. Doch mit den perfekten Bilderbuchsommerferien wird das 2020 wohl nichts. Stundenlanges Anstehen inklusive Abstandsregeln am Flughafen? Mit Hygienemasken voller Sand und Sonnencreme auf dem Liegestuhl an der italienischen Rivera liegen? Auf Einlass in den Frühstücksraum warten und dabei seinem knurrendem Magen lauschen? Strandurlaub klang schon um Einiges verlockender. Reiselustige werden zudem auch Unsicherheit in ihren Koffer packen. Könnten die Grenzen unerwartet wieder schliessen? Wie schnell wird sich die gesundheitliche Situation im Ferienland verändern? Habe ich eine Destination ausgewählt, in der ich mich im Falle eines Krankenhausaufenthalts in sicheren Händen fühlen würde?

Als Schweizer können wir uns glücklich schätzen, in einem wunderschönen und vielfältigen Land zu wohnen, in dem es viele faszinierende Orte zu entdecken gibt. Beim Ansehen der uns unser Heimatland schmackhaft machenden Werbevideos von Schweiz Tourismus fragt man sich sogar etwas verwundert, warum man früher eigentlich immer ins Ausland gereist ist. Mitten im Ferienparadies Wallis kann man sich auch nicht wirklich beklagen und der Verwandte XY (zu dem man normalerweise zwar keinen Kontakt hat- aber Not macht ja erfinderisch)besitzt zufälligerweise ein leerstehendes Chalet. Doch dieses Privileg geniessen nicht alle Schweizer und viele Normalverdiener können sich teure Ferien in der Schweiz schlicht und einfach nicht leisten. Zudem fürchten sich viele vor den Folgen der Wirtschaftskrise und einem möglichen Jobverlust. Da ist die Entscheidung, sparsam mit dem Geld umzugehen und für einmal auf die traditionellen Sommerferien zu verzichten, eine logische Konsequenz.

Vielleicht sollten wir diesen Sommer einfach dankbar sein für all das, was möglich ist, anstatt dem nachzutrauern, was uns verwehrt bleibt. Geniessen wir das Italienfeeling beim Aperitif auf dem Briger Stadtplatz. Oder springen wir ins kühle Nass des Bergsees. Bräunen wir uns mit den besten Sommerhits im Ohr auf Balkonien. Besichtigen wir endlich das Museum, das schon seit Jahren auf unserer Ausflugsliste steht. Dabei sollten wir stets im Hinterkopf behalten, dass solche Aktivitäten zurzeit keine Selbstverständlichkeit darstellen und wir noch vor wenigen Wochen sehnsüchtig von diesen geträumt haben. Der Sommer 2020 wird gewiss anders, aber mindestens so gut wie unsere Einstellung.

Während wir letzten Sommer beim Surfen auf die perfekte Welle gewartet haben, sind wir diesen Sommer vor allem dankbar, wenn wir keine zweite Welle erleben müssen. Wobei gewisse „Hobby- Epidemiologen“ die erste Welle verleugnen. Falls es also je eine zweite Welle geben sollte, können einige Skeptiker dann gerne ohne medizinische Hilfe auf eigene Faust davonrudern und das „harmlose Grippchen“ mit ihrem Vitamin-C heilen.

Textquelle: Walliser Bote
Bild: Copyright: Unsplash/Silas Baisch